Die Heikendorfer Gemeindevertreterin Dr. Karin Kaiser, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, kritisiert nach der heutigen nicht-öffentlichen Informationsveranstaltung zum städtebaulichen Vertrag für das geplante neue Wohngebiet „Krischansbarg“ erneut die grundsätzliche Ausrichtung des Großprojekts.
„Für mich geht es längst nicht mehr nur um einzelne Vertragsklauseln,“ sagt Karin Kaiser. „Es geht um die Frage: Welches Heikendorf wollen wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen?“
Nach den veröffentlichten Planungen soll auf rund 23 Hektar ein neues Wohnquartier mit mehreren hundert Wohneinheiten entstehen. Dafür werden heute landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch genommen, versiegelt und das Landschaftsbild nachhaltig verändert. Zugleich wird Heikendorf nach Auffassung Kaisers erheblich wachsen und zusätzliche Infrastruktur benötigen.
Karin Kaiser erklärt dazu: „Ich vermisse nach wie vor eine nachvollziehbare Kosten-Nutzen-Betrachtung aus Sicht der Gemeinde. Was kostet dieses Projekt Heikendorf langfristig? Welche zusätzlichen Belastungen entstehen für Feuerwehr, Verkehr, Schulen, Entwässerung und sonstige Infrastruktur? Und welchen konkreten langfristigen Nutzen hat die Gemeinde davon?“
Kaiser kritisiert insbesondere, dass der Krischansbarg aus ihrer Sicht im Wesentlichen als Investorenplanung entwickelt wird. „Die ehrenamtlichen Gemeindevertreter sollten nicht in erster Linie darüber beraten, wie ein Investor möglichst erfolgreich ein neues Wohnquartier errichten kann. Unsere Aufgabe ist es, die langfristigen Interessen der Gemeinde zu vertreten“, hebt Karin Kaiser hervor.
„Warum nicht ein ökologisches Leuchtturmprojekt?“
Dr. Karin Kaiser hält eine andere Entwicklung für möglich. „Heikendorf lebt von seiner Landschaft, der Kieler Förde, Natur, Strand, Tourismus und seiner besonderen kulturellen Identität. Warum entwickeln wir den Krischansbarg nicht zu einem ökologischen und kulturellen Leuchtturmprojekt?“
Denkbar seien nach ihrer Auffassung eine deutlich aufgelockertere Bebauung, weniger Versiegelung, regenerative Baustoffe, klimaangepasste Freiräume, Möglichkeiten gemeinschaftlichen und eigenverantwortlichen Bauens sowie eine stärkere Förderung von Wohneigentum für junge Familien.
„Wir könnten zeigen, dass Wohnungsbau, Eigentumsbildung, Klimaschutz und Naturschutz miteinander vereinbar sind. Stattdessen droht eine dichte Neubausiedlung, die den Charakter Heikendorfs nachhaltig verändern wird.“
„Entwicklung darf kein Selbstzweck sein“
Karin Kaiser verweist auf Art. 20a GG. Der Staat schützt danach „in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen“. Karin Kaiser hebt hervor, dass Art. 20a GG für sie kein abstrakter Verfassungsauftrag sei. „Er erinnert uns vielmehr daran, dass wir heute Verantwortung für die Lebensbedingungen von morgen tragen.“
Ihre Kritik bezeichnet Kaiser bewusst als Kritik an dem derzeit vorherrschenden Entwicklungen des „Turbokapitalismus“:
„Boden wird zur Ware, Landschaft zur verfügbaren Fläche und Ortsentwicklung zum Geschäftsmodell. Natürlich brauchen wir Wohnraum. Aber die Gemeinde darf ihre langfristigen Interessen nicht dem Geschäftsmodell eines Investors unterordnen.“
Nach der heutigen nicht-öffentlichen Informationsveranstaltung müsse nun die entscheidende Diskussion öffentlich geführt werden. Vorgestellt wurde ein neuer Entwurf des städtebaulichen Vertrages; einzelne Bereiche waren als noch klärungsbedürftig gekennzeichnet. Der Notar gab Erläuterungen zum Entwurf ab.
„Jetzt muss öffentlich darüber gesprochen werden, welche Entwicklung für Heikendorf tatsächlich zukunftsfähig ist,“ stellt Dr. Karin Kaiser heraus. „Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir bauen können. Sie lautet: Ist diese Form der Bebauung wirklich die beste Lösung für Heikendorf?“
Kaiser abschließend: „Wir sollten unseren Kindern und Enkeln nicht erklären müssen, dass wir wertvolle Flächen versiegelt und den Charakter unseres Ortes verändert haben, weil wir uns nicht die Zeit genommen haben, über eine bessere Alternative nachzudenken. Heikendorf braucht Entwicklung mit Augenmaß – und eine nachhaltige Zukunftsstrategie statt einer reinen Investorenplanung.“
Heikendorf, 24.08.2026
Prof. Dr. Karin Kaiser
Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin